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SEZ Friedrichshain: Chronologie des Endes Teil 1

Das SEZ steht immer noch im Zentrum der Aufregung, so habe ich mir erlaubt eine Chronologie der Sache zu verfassen.

Offensichtlich habe ich mit meinem Artikel über den Abriss des SEZ‚ in ein Wespennest gestochen. Denn nach dem ich eine Email von dem Sohn des Eigentümers und Anwalt des Objekts, Charles Löhnitz bekam, in der er mich aufforderte einige Dinge zu ändern, hatte ich weiteren Kontakt.

SEZ Landsberger Allee

Zum einen hat mich der Bund der Steuerzahler mit Infos versorgt, als auch ein Beisitzender des Landesvorstands der FDP, Herr Salonek – zuständig für Verkehr und Stadtentwicklung. Beide gaben mir interessante Eindrücke in das Geschehen, die ich Euch selbstredend nicht vorenthalten möchte.

Vorne weg und bevor ich wieder einen bösen Brief bekomme, sollte ich klarstellen – dass rechtlich dem Investor des Objekts nichts vorzuwerfen ist, darauf verweist er auch selbst immer sehr eindringlich. Die Frage nach der Schuld dieser Situation richtet sich wohl an die Stadt, von Seiten der CDU und FDP geht die Schuld an Linke, SPD und Grüne – selbstredend nicht alle der jeweiligen Parteien. Aber fangen wir vorne an.

Chronologie des Endes | SEZ

Der Anfang vom Ende des SEZ, das 1980 erbaut wurde, ist im Jahr 2002 zu suchen. Das Gebäude marode und heruntergewirtschaftet, kostet viel Geld und an eine Renovierung ist damals von öffentlicher Seite nicht zu denken, das Staatssäckel war (ist?) leer. Was tun mit dem SEZ? Die Leute würden es so gerne erhalten. Wenn man noch heute mit den Leuten spricht, haben viele schöne Erinnerungen an das DDR Spaßbad, auch nach der Wende, und ihr Gesicht beginnt zu strahlen. Schon damals, 2002, war von Abriss die Rede, was auf wenig Begeisterung traf.

Es gab Gutachten und interessierte Investoren, allen gemeinsam war die Erkenntnis, dass dort viel Geld investiert werden müsse. Die Zahl von 25 Millionen Euro schwebte durch den Äther.

Es sah alles so schön aus…

Nur einer tat sich heraus – Rainer Löhnitz. Er stellte ein nicht so Investment-intensives Konzept vor. Dabei stand die Erhaltung des Objekts im Vordergrund, so Löhnitz. Er hatte bereits Erfahrung mit Schwimmhallen, er kaufte das Poseidon Bad in der Nähe von Leipzig. Mit Verweis auf das bereits renovierte Schwimmbad „Poseidon GmbH“, das schlechter dastand, wollte dieser Investor es schaffen. Das zumindest wurde ihm zugetraut und ein kleiner Ausflug dahin sollte die Verantwortlichen überzeugen.

Im Dezember 2002 traf man sich beim Liegenschaftsfonds Berlin. Das SEZ ging noch in diesem Monat an den neuen Investor Rainer Löhnitz, für den symbolischen Betrag von einem Euro! In einer Pressemitteilung vom 1. Juli 2003 erklärte der Senat, dass man schon im Dezember das SEZ verkaufte und zwar an die Leipziger Poseidon GmbH, was ein Missverständnis gewesen sein könnte. Denn dieses Unternehmen gehört ja Herrn Löhnitz und er war und ist Eigentümer des SEZ. Und der Kaufvertrag datiert auf den 20. September 2003.

Aber das Konstrukt ist noch nicht fertig, denn der Mieter des SEZ ist die SEZ Berlin GmbH. So wie das Poseidon Bad von einer entsprechenden Gesellschaft geleitet wurde und Mieter war.

Damals hieß es von offizieller Seite, dass das SEZ mit Hallenbadbetrieb wieder eröffnet werde. Noch interessanter ist die Stellungnahme zum Fortbestand des SEZ – damals 2003 unter Federführung von Dr. Thilo Sarrazin, seines Zeichens ja Finanzsenator in Berlin. Denn man sagte in der Presseerklärung (hier kann man es nachlesen), dass der Schwimmbereich eine Bedingung für die Vergabe war. So klang das damals in den Medien und so habe ich es ebenfalls in Erinnerung. Und auch Leute mit denen man darüber redet, fragen, sollte das nicht irgendwann wieder aufmachen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, es hat ja geöffnet. Aber schwimmen …

Schon am nächsten Tag kam eine ähnliche Mitteilung vom Liegenschaftsfonds, auch hierin wurde von einer vertraglichen Fixierung bezüglich des Hallenbades gesprochen. Der Liegenschaftsfonds verwaltet Grundstücke die Berlin gehören und wickelt Investitionen ab. Gerüchten nach, war der Liegenschaftsfonds gar nicht so begeistert von der Vergabe. Ob von Seiten der Politik hier ein Wunsch geäußert wurde?

Vorstellung zur Entwicklung des SEZ

In dem Dokument „Gespräch Bezirksamtsausschuss“ vom 28. Januar 2003 (siehe Bilder unten) beschreibt Rainer Löhnitz, wie er sich die Entwicklung des Objekts vorstellt. In einem direkten Vergleich mit dem Poseidon Bad, zu dem er die Verantwortlichen auch einlädt, zieht er den Schluss, dass das Objekt finanziell abgesichert ist: „Die Werthaltigkeit ist schon allein durch das Poseidon, welches sich zu 100 % in meinem Privatbesitz befindet, gesichert.“ Aber er geht davon aus, dass das SEZ wirtschaftlich zu führen ist. Dennoch wären Investitionen in der Höhe von 25 Millionen Euro nicht wieder reinzuholen.

Außerdem wolle man Beschäftigte übernehmen, ja man sei schon in Gesprächen. Mit dem Argument, dass durch sein Konzept keine Neubaukosten entstehen, wollte man eine schrittweise Modernisierung vornehmen. Konkretisiert wurde dies, indem die Einnahmen als Investitionen bis zur Hallenbad-Eröffnung zurück fließen sollen. In einem Interview auf TV Berlin sagte er dazu auch, er „reißt sich keine Beine raus“ beim SEZ. Das Interview war vielmehr eine Gesprächsrunde. Es ist äußerst interessant und ich dachte bei mir, der Herr Löhnitz antwortet gar nicht auf die Fragen?! Dennoch sagte er damals, 2010, es werde einen Badebetrieb geben.

Vielleicht war der Investor bei Vertragsabschluss euphorischer als heute, schrieb er doch, dass das SEZ seinen Reiz in der Form habe. (Siehe Schreiben unten) Bekanntlich will er es jetzt ja abreißen.

Interessant ist ebenso, dass Löhnitz wirkt, als hätte er es eilig gehabt beim Vertragsabschluss 2003: „Je mehr Zeit vergeht um so schwerer wird dieser erste Schritt und der benötigte Zeitaufwand steigt“ und „Ich habe vom ersten Tag [..] zur Verfügung gestanden [und]  in den letzten 5 Wochen aufgetretene Vorgänge [.. sind] in Berlin angeblich normal. Für das Objekt können sie leider fatale Folgen haben und erschweren den Erhalt überdurchschnittlich „.

Das verstehe ich nicht, aber ich verstehe auch nicht wie man ein solches Grundstück ohne kontrollierten Vertrag für einen Euro aus der Hand geben kann. Allerdings habe ich mich in meinem Artikel über den Abriss in der Menge an Geld, was das Objekt wert ist, ordentlich geirrt. Überall wird von ein- bis zweistelligen Millionenbeträgen gesprochen. Wie gesagt, ich schätzte es unter zur Hilfenahme eines entsprechenden Portals wie Immowelt.

Tatsächlich steht in diesem Papier (siehe unten) ebenso, dass es um den Erhalt – mit oder ohne Schwimmbereich – des Objekts ginge, so war sein Eindruck, wie er in dem Papier schreibt und das stammt ja aus seiner Feder, aus dem Jahr 2003 (siehe unten). Dennoch listet er stichpunktartig die drei Teilschritte auf, die das SEZ wieder zu einem attraktiven Ort machen soll. Im zweiten und spätestens im dritten Schritt sollte, dem Plan nach, die Schwimmhalle wieder in Betrieb genommen werden.

Das besprochene Papier „Gespräch Bezirksamtsausschuss“ habe ich eingescannt und hier bereitgelegt. Die letzten zwei Seiten des Fax‘ habe ich weggelassen, dabei handelt es sich um Werbematerial des Poseidon Bads, respektive um Eintrittspreise.

Demnächst geht es weiter, stay tuned auf friedrichshainblog.de! Lese übermorgen, wie es mit dem SEZ weiterging und was es mit dem Vertrag und der Definition von Hallenbad auf sich hat. Teil 2 in Kürze!

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  1. Abriss des SEZ: Einer hatte seinen Spaß - Nante Berlin - 20. Dezember 2014

    […] Vorzeigeschwimmbad der DDR wurde gut und in zwei Teilen im Friedrichshain-Blog aufgearbeitet: SEZ Friedrichshain: Chronologie des Endes Teil 1 und Teil 2. Weitere Infos und auch einige Bilder aus dem Innenbereich bietet auch Friederike […]

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