Categories: Kunst & Kultur

Der neue Hass auf KI-Bilder

Mit dem Erscheinen von ChatGPT hat sich die Welt wieder ein Stück weitergedreht. Und es knacks und es bersten alte Knochen, die jaulend aufbrüllen: „Das ist doch KI-Schund!“. Die Blicke suchen nach der Quelle: Ja, es ist der ältere Herr Boomer, der abermals einen Grund hat, sich zu echauffieren.

KI mal KI

Selbstperspektive

Ich zähle mich zu den Creators, wie man die Leute heute nennt. Und ja, ich benutze die KI Generatoren für die Bilder. Diese Generatoren ermöglichen es mir Bilder von bis dahin unbekannte Qualität zu posten. Und natürlich spart das Zeit. Ob ich nun durch die Straßen laufe und ein passendes Bild finde, das ich fotografiere, vielleicht noch bearbeite oder ein Design mit einem Grafikprogramm erstelle – es wird mich Stunden kosten. Jetzt generiere ich ein Bild und habe eine akzeptable bis professionelle Variante innerhalb von einer Minute.

Makroblick

Selbstverständlich hat auch diese Medaille eine Kehrseite, nämlich das Ende einer ganzen Reihe von Berufen. Berufe wie Grafikdesignende, wie Contenterstellende oder Website-Erstellende fallen ersatzlos weg. Ja, es sind gerade jene, die sowieso nur gerade so davon leben können. Und das war erst der Anfang.

Mit der Automatisierung von Arbeitsprozessen wird die Produktivität drastisch ansteigen und das bedeutet eine abgespeckte Belegschaft. Das Handwerk scheint davon zunächst ausgenommen, aber viele andere Jobs sind mittelbar betroffen: Dienstleistende, wie Steuerberatende, Rechtsanwälte – ja Apotheker und Ärzte – sie werden womöglich nicht komplett wegfallen, aber als prüfende Instanz in der Anzahl deutlich gestutzt werden.

Selbst die noch immer dringend gesuchten Einzelhandelsfachkräfte könnten in absehbarer Zeit durch Automaten ersetzt werden. Schon jetzt mehren sich die Selbstzahl-Kassen in den Supermärkten. Auch die hochbezahlten Programmier*innen werden nicht mehr gebraucht, wenn die KI den Code selbst schreibt. Das wird alles noch eher kommen als das autonome Fahren.

KI-Bilder

Der Einsatz der KI-Bilder zieht eine Menge unfreundlicher Kommentare an. Es ist die Rede von „KI-Schund“, „KI-Bilder der schlechtesten Art“ und „Das sind doch KI-Bilder, bestimmt ist der Text auch KI“. Tatsächlich, so meine Erkenntnis, sind KI-Texte nicht so ausgereift. Vielleicht kann man das auch von den Bildern sagen, aber das sehe ich dann wohl nicht. Es sind denn auch vor allem die Texte, die meine Kreativität betreffen und die ich ins Rampenlicht stellen will – sei es auch mit einem künstlichen Licht.

Und – mein Hauptargument – ich kann keine Fotos von der Vergangenheit machen, ich kann nicht für jeden Artikel ein Bild malen und wäre es mit Photoshop erstellt worden, wäre es eine Fotomontage – es gäbe keine Kritik, keine pseudobeleidigende Kommentare.

Worum geht es also?

Nun, die Tatsache, dass es Männer im mittleren Alter sind – sofern es keine Fakeprofile sind – ist ein erster Hinweis. Warum werden eigentlich Menschen im Alter tendenziell maulig? Warum sind es gerade die Männer, die ihren Unmut über eigentliche Belanglosigkeiten derart wütend aufs Tapet bringen. Es erinnert doch an die „Wutbürger“, die man rückblickend als rechts- bis rechtsradikal bezeichnen kann.

Kommt es von dem Unwillen etwas Neues zu akzeptieren? Ist es der Änderung des Gewohnten entschlüpft? Oder ist es einfach gerade Mode, auf KI-Content einzubashen? Ist es gar die Angst, dass man den Unterschied nicht mehr erkennt und Gefahr läuft, etwas zu liken, das gar nicht so ist, wie es scheint? Ich glaube, das ist auch die tiefverwurzelte Angst bei Menschen, die Trans- und Queer-Personen diskriminieren.

Wieso ist die Grenze beim KI-Generator erreicht, nicht aber bei der KI-Wegführung bei Google Maps?

admin

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