Hat der Dritte Weltkrieg begonnen?
Im Folgenden möchte ich darlegen, wieso ich denke, dass wir uns bereits im Krieg, vielleicht sogar dem Dritten Weltkrieg, befinden.
Dass ein Krieg kommen würde, war abzusehen. Wenn technischer Wandel (Digitale Revolution), Verlust von Arbeitsplätzen (durch KI), gesellschaftlicher Kampf (Vollendung der Demokratie & Machtverlust der Eliten) und das Aufbegehren der alten Ideen (Geldadel tendiert zur Oligarchie) zusammenprallen, stehen die Zeichen auf Krieg. Die Macht wurde in der Geschichte nur selten friedlich übergeben und unsere Konservativen haben schon lange auf Hass gestellt. Das ist der Drall unserer Zeit.
Mit Donald Trump geschah die Annäherung an den Krieg deutlich schneller, als man hätte annehmen können. Schon oft haben die konservativen US-Präsidenten die Welt für Geld (oder für Öl im arabischen Raum) geschändet. Sie logen, was den Kriegsgrund betraf, sie missachteten die Menschenrechte und haben sich gutsherrenartig verhalten. Und wir im Westen schauten weg. Es war immer noch die beste der existierenden Varianten. Aber das änderte sich mit Donald Trump. Er ist so schlecht, korrupt, demokratiefeindlich und offenbar nicht die hellste Leuchte im Kronleuchter. Umso erstaunlicher ist es, dass er es bis zum höchsten Posten der freien Welt schaffte.
Dieser Umstand zeigt denn auch den Abgrund, vor dem wir stehen. Dies geschieht immer wieder in der Geschichte der Menschheit. Ich möchte es mit dem Ende des Römischen Imperiums vergleichen, denn die Reichweite dieses Epochenwandels wird enorm sein.
Wie so oft beginnt (und / oder endet) dieser Bruch mit einem Krieg.
Keine Definition von Krieg möglich
Der Sozialwissenschaftler Herfried Münkler hat kürzlich (siehe Video) eine bedeutende Rede gehalten. Gleich zu Beginn stellt er die Frage, wie definiert sich Krieg? Die Definitionen ändern sich regelmäßig in der Geschichte, aber in unserer Zeit – der Postmoderne – verschwimmt die klare Trennung von Krieg und Frieden. Die inzwischen veralteten Vorstellungen sind so sehr Vergangenheit wie die heterosexuelle Normativität. Was war die Zeit des Kalten Krieges? Die Definition von Krieg ist vielleicht selbst nicht mehr möglich. Wir nennen es heute einen hybriden Krieg.
Durch das Präfix ist und bleibt es ein Krieg. Der Gegner ist Russland und das Konstrukt, das sich dazugesellt hat. Der neue Block Russland-China-Iran (ChIrRu) formt sich im Angesicht des Untergangs der US-Hegemonie.
Nun könnte man sagen: Aber es fallen keine Bomben, keine Panzer. Auch während der beiden Weltkriege standen in den USA keine feindlichen Panzer, aber die USA waren im Krieg. In Deutschland standen im Ersten Weltkrieg keine feindlichen Panzer, aber Deutschland hat den Krieg verloren.
Der Machtverlust ist gefährlich
Wo Macht vergeht, entsteht ein Vakuum. Das ist auf der gesellschaftlichen Ebene genauso wie auf der globalen. Ein Vakuum zieht andere Machtwillige an. Sie strömen nach und füllen das Vakuum aus. Regelmäßig entstehen dabei sogenannte Warlords: Regionale Herrscher, die ihre Macht auf Waffengewalt stützen – von Regieren kann hier keine Rede sein. „Auf einem Thron von Bajonetten sitzt man schnell, aber nicht sehr lange.“
Diese Entwicklung etwaiger Warlords wollen die Ordnungskräfte in unserer Welt verhindern. Denn: Was nach einem Staatszusammenbruch geschieht – wer oder was das Machtvakuum ausfüllt – das ist unvorhersehbar und es könnte deutlich schlimmer ausfallen als das Bekannte.
Wann begann der Dritte Weltkrieg?
Wann der Krieg rückblickend begann, wird sich vielleicht in der Zukunft näher erörtern lassen. Meiner Einschätzung nach begann der Dritte Weltkrieg 2014 mit der Annexion der Krim. Der Hintergrund war, dass die Ukraine mit der Absetzung von Viktor Janukowitsch nicht mehr unter der Fuchtel Russlands stand. Die Reaktion von Putin war erwartbar – er machte dasselbe, was er erfolgreich in Tschetschenien umsetzte. Die Krim wurde von russischen Soldaten ohne Erkennungskennzeichen besetzt. Im Donbass gab es „Unabhängigkeitsbewegungen“. Das war der Beginn des Krieges. Die Verhandlungen Minsk I und II waren eine Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) auf Kosten der Menschen im Donbass und auf der Krim. Man hatte Zeit gewonnen, die man aber ungenutzt verstreichen ließ.
Spätestens ab 2022 wurde der Krieg wieder aktuell, während der Donbass als Schwelbrand den Prozess am Laufen hielt. Europa hielt zur Ukraine und der Krieg dauert an. Erst erkannte die Welt, dass Russland gar nicht so gut war und inzwischen hat sich das Blatt gewandt. Aber das bleibt nicht ohne Konsequenzen.
Warum lieferten wir keinen Taurus?
Mir ging es wie vielen, die nicht verstanden, warum wir keinen Taurus an die Ukraine lieferten. Ja, es ging um die Reichweite. Aber mehr noch, es ging um eine inzwischen bekannte Einschätzung der CIA. Die CIA schätzte Putins Russland 2022 so ein, dass sie mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit Atomwaffen einsetzten, würden sie verlieren. Das ist das, wovon wir nichts wussten – Olaf Scholz aber schon. Man ließ nur keine Panik ausbrechen.
Aber der Westen unterstützte die Ukraine mit Aufklärung und Drohnentechnologie, die die Ukraine mitentwickelte. Das hatte zwei Seiten: Die Ukraine brachte den Krieg nach Russland. Das ist wohl auf der Haben-Seite. Aber es wurde offenbar, wie weitreichend die westliche Unterstützung ist. So weit, dass China und Russland ihre Aufklärung mit dem Iran teilen. So trifft der Iran plötzlich Stützpunkte der USA im arabischen Raum.
Die Blöcke haben ihre Claims abgesteckt – die Zeichen stehen auf Konfrontation.
Iran-Krieg und Ukraine-Krieg verschmelzen
Die Kriegsparteien haben sich längst sortiert. China-Iran-Russland stehen der NATO respektive dem Westen gegenüber. Die Feindschaft hat ja eine gewisse Tradition. Chirru tauscht Waffen, Technologie und Equipment aus. Das macht die NATO schließlich auch. Obwohl die Kontrahenten dieselben sind, waren es relativ gut getrennte Kriegsgebiete – das hat sich aber inzwischen verändert.
Die russischen Drohnen stammen aus dem Iran. Der liefert sie per Schiff. Die Ukraine hat diese iranischen Schiffe nun unter Beschuss genommen. Der Iran verlangt Vergeltung. Damit sind beide Konfliktherde, der Iran-Krieg und der Ukraine-Krieg, miteinander verschmolzen. Schon wird Ägypten involviert, denn der Iran hat eine US-Firma in Ägypten angegriffen. Der Krisenherd umfasst nun drei Kontinente und 29 Länder.
Iran-Krieg: Iran, Israel, USA, Libanon, Jemen, Irak, Syrien, Russland, Großbritannien (Basis auf Zypern & logistisch), Frankreich (Defensivmaßnahmen), Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait und nun auch Ägypten. Das sind 16 Staaten bzw. halbstaatliche Organisationen.
Ukraine-Krieg: Ukraine und Russland. Und deren Proxys oder Waffenlieferer: Belarus, Nordkorea, Iran, USA, Deutschland, UK, Frankreich, Polen, Kanada, Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, Italien, Spanien und die Europäische Union als Institution. Die waffenliefernden Nationen (Rammstein-Kontaktgruppe) umfassen insgesamt 56 (32 NATO-Mitgliedstaaten und 24 weitere) Nationen.
Ohne die Kontaktgruppe wären es 29 Staaten. Im Zweiten Weltkrieg waren es 60 Staaten. Heute kommen noch nicht direkte Unterstützer-Staaten hinzu, was 65 Konfliktparteien bedeutet. Diese sind noch nicht direkt vom Konflikt betroffen – das könnte sich aber bald ändern. Die Eskalationsstufe kennt nur eine Richtung und sie folgt einer Klaviatur:
Die Eskalationsstufen Russlands
In diesem Video erklärt ein österreichischer Analyst, Markus Reisner, die russischen Eskalationsstufen, die eine Abfolge abarbeiten. Man eskaliert, um die anderen zur Aufgabe zu bewegen. Doch was geschieht, wenn Putin mit dem Rücken zur Wand steht? Die Eskalationsstufen implizieren eine geografische Ausweitung. Derart wird aus dem lokalen Konflikt ein regionaler Konflikt. Das impliziert den Einsatz anderer Waffen und weiterer Gegner. Der Drohnenvorfall in Leipzig passt und gehört mutmaßlich zu dieser Eskalationsklaviatur. Es gab bereits Angriffe auf die Infrastruktur, auf die Politik, auf die Nachrichten. Jetzt gibt es Anschläge. Der Stromausfall in Berlin? Ich denke, das war russische Sabotage. Die noch nie gesehenen Terrorzellen, die hier mit der Polizei Phantom spielen – ich glaube nicht, dass es sie gibt.
Die kritische Infrastruktur liegt als naheliegendes Ziel auf der Hand. Kreml-Sprecher Peskov drohte europäischen Ländern mit dem Beschuss. Ich lachte auch, als sie damals drohten – die CIA unter Biden lachte nicht (siehe oben).
Aber es scheint absehbar, und so ist es auch in den Eskalationsstufen beschrieben, dass es Schläge gegen die Kommunikationsinfrastruktur geben wird. Vielleicht zum Test, vielleicht zur Angriffsvorbereitung. Kürzlich gab es einen flächendeckenden Ausfall der Telekom in vielen Großstädten. Russland hat mehrfach Rumänien „unabsichtlich“ angegriffen. Das waren offenbar keine verirrten Drohnen. Russland bestritt die Absicht – wie auf der Krim. Auch Polen will künftig russische Raketen und Drohnen abschießen – auch über dem Gebiet der Ukraine.
Die NATO wird provoziert – es ist eine Frage der Zeit. Rumänien schießt inzwischen russische Eindringlinge ab. Bulgarien erlebte jüngst einen Zwischenfall. Wie reagiert Polen künftig?
Die Eskalation erreicht immer mehr Staaten, während die NATO von Donald Trump angeführt wird, der die Supermacht USA gerade zerstört und den Irankrieg de facto verloren hat. Auch hier scheint ein Bürgerkrieg in Greifweite zu rücken. Das würde die NATO schwächen. Russland arbeitet daran.
Das sind wenig hoffnungsvolle Zeichen, aber Russland droht gleichfalls der Zerfall. Putin wird der erste Zar, der Russland verkleinert und China wird sich ein großes Stück davon einverleiben. Doch Russlands Zerfall bedeutet Ungewissheit. Zu ungewiss ist, in welchen Händen die Atomwaffen landen. Aber Russland darf nicht gewinnen, gleichzeitig muss Russland erhalten bleiben.
Der Winter braucht eine Entscheidung, denn Russland wird wieder die Heizungssysteme angreifen und die Ukraine den Krieg nach Russland bringen. Derweil habe man Deutschland, Dänemark und Großbritannien im Auge – das kündigte zuletzt der Kreml an. Es gab bereits Angriffe und es wird sie weitergeben.
Der Krieg hat m.E. begonnen.
