Predac: Vorgehen gegen unliebsame Artikel im Internet

Wie die Hausverwaltung Predac mit “Querulanten” – wie mir – umgeht, die ihre Rechte tatsächlich wahrnehmen. Ein Erfahrungsbericht.

Im Laufe dieser “Sache” habe ich mich ein paar Mal doch wirklich gewundert. Und ich weiß, die Hauptakteurin dieser “Sache” wird das auch lesen: willkommen im Kreis der Lesenden. Alles in diesem Artikel kann ich qua Augenzeugen, respektive mit der schriftlichen Konversation beweisen. Ich kann nur hoffen, sie fassen dies nicht als Beleidigung auf, denn so wie es hier beschrieben wird, ist es aus meiner (natürlich subjektiven, ist ja auch ein “Blog”) Perspektive abgelaufen!

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Das ganze spielte sich vor gut drei Jahren ab und inzwischen wohne ich dort nicht mehr, sodass die Gefahr einer Benachteiligung nicht mehr so stark ist. Zu dem Zeitpunkt, als es geschah, hatte ich die Miete für zwei Wochen gemindert, weil die Wohnung unter mir unter erheblichem Lärm renoviert wurde. Als ich mich dazu rechtfertigte – nach etlichen Briefen – kam nichts mehr. Es ging um etwa 40 Euro. Zudem hatte ich die Frechheit besessen, die Mieterhöhung nicht zu akzeptieren. Mit anderen Worten, ich habe meine Rechte als Mieter einer Wohnung genutzt.

Erst kam eine Erinnerung, dass es Mietrückstände gäbe. Es handelte sich um eine Differenz von gezahlten und geforderten Mietzahlungen, die der Minderung entsprach – die erwähnten 40 Euro. Ich erklärte die Situation mit der Minderung und die Predac bat dessen ungeachtet weiterhin um den Ausgleich meines Kontos. Anbei war eine Betriebskostenabrechnung, mit der man vortäuschen wollte, dass es sich darauf bezog.

Daraufhin kam erneut eine Erklärung, warum man die Miete anheben muss. Schon im Brief mit der Ankündigung hat man darauf verwiesen, dass man rechtliche Schritte bei Unwilligkeit einlegen werde.

“Höchstvorsorglich weisen wir darauf hin, dass unsere Auftraggeber nach fruchtlosem Ablauf der oben genannten Zustimmungsfrist [Anm: Die Frist ist verstrichen gewesen] gezwungen wäre, gegen Sie Klage auf Zustimmung zu diesem Mieterhöhungsverlangen zu erheben, was mit weiteren Kosten für Sie verbunden wäre.”

Daher antwortete ich in einer Email kurz und bündig:

“vielen Dank für Ihre Erinnerung in ihrem letzten Schreiben. Wir [Anm.: WG] widersprechen der Mieterhöhung, da sich die Miete bereits weit oben an der Grenze des Mietspiegels bewegt. Selbstverständlich bleibt Ihnen der Rechtsweg offen.
Beste Grüße”

Dieser letzte Satz “Selbstverständlich bleibt Ihnen der Rechtsweg offen” wird mir später von der Geschäftsführerin der Predac als “Stänkerei” vorgeworfen. Dabei reagiere ich nur auf den Brief der Predac und das angesichts der offenen Androhung von juristischen Konsequenzen. Das empfand und empfinde ich als  Einschüchterungsversuch.

Gesprächseinladung ohne Grund

Doch mit dieser Email habe ich wohl eine Welle ausgelöst, denn dann ging es los. Jeden Tag eine neue Email von der Hausverwaltung mit dem Inhalt: eine Einladung zu einem Gespräch. Der Grund dafür und das Thema war die Zusammenarbeit oder das “Allgemeine Vertragsverhältnis”. Worum ging es? Lest selbst (Anrede, Namen und Abschiedsformel habe ich entfernt):

“unsere Geschäftsführerin, Frau B., würde gern einen Gesprächstermin vereinbaren, um einige Sachverhalte mit Ihnen zu besprechen. Wir bitten um Mitteilung, ob und wann Sie morgen einen Termin wahrnehmen könnten. Vielen Dank bereits im Voraus.”

Antwort:

“vielen Dank für Ihre Email und Ihre Einladung. Leider ist es mir so kurzfristig nicht möglich dieser Einladung Folge zu leisten. Wäre auch der kommende Dienstag möglich? Vielleicht können Sie mir bereits vor ab mitteilen, worum es denn geht?”

Darauf dieselbe Antwort der Predac:

“unsere Geschäftsführerin Frau B. möchte Sie gern kennenlernen und diverse Themen mit Ihnen besprechen. Frau B. wird am [Anm.: zwei Tage als Termine zur Auswahl] wieder in Berlin sein. Wir bitten Sie, uns einen Termin an einem dieser beiden Tage vorzuschlagen. Vielen Dank!”

Meine Antwort in der Email – schon etwas verwundert:

“um mich auf einen solchen Termin vorzubereiten müsste ich schon wissen, worum es geht. Also bitte konkretisieren Sie das Thema. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich zum Kaffeeplausch eingeladen werde.”

Dann ging es plötzlich nicht mehr um eine Gesprächseinladung, sondern darum die Wohnung zu besichtigen. Dies ist durchaus das Recht eines Vermietenden, wenngleich es mir unangenehm war und werden sollte. Wer hat schon gerne ungeladenen Besuch in seiner Wohnung? Also schrieb die Predac:

“Frau B. möchte die Wohnung besichtigen und allgemein über das Mietverhältnis und die Zusammenarbeit sprechen. Terminvorschlag: [Anm.: Zwei Tage als Termin zur Auswahl]. Wir bitten um Mitteilung, wann es Ihnen passt.”

Das ist ja meines Erachtens schon ein ganz schöner Sprung. Daheim kann ich nicht ausweichen. My home is my castle und meine Privatsphäre. Es ist doch das Zuhause, wo man die Tür zumacht und die Welt draußen Welt sein lässt. Und genau hier lädt sich der Vermieter ein. Also meine Antwort an die Predac:

“vielen Dank für Ihre Email. Dennoch ist mir immer noch nicht klar, worum es bei dem Gespräch gehen soll. Da sie mir keinen Grund für ein Gespräch nennen möchten, werde ich der Einladung nicht nachkommen können. Ich frage mich ganz ehrlich, was sie hiermit beabsichtigen? Des Weiteren möchte ich einen Grund für die Wohnungsbesichtigung. Dies ist ja gesetzlich auch so vorgeschrieben. Sollten die Termine für die Besichtigung sein, bitte ich Sie den Grund für die Begehung zeitnah zu nennen.”

Ich bemerke also ganz offen, dass ich mich frage worum es geht. Doch auch die nächste Email sollte keine Lösung bringen. Es kam eine Email, aber nicht mehr von der Sachbearbeiterin der Predac, die für unseren Komplex zuständig ist, sondern die Geschäftsführerin höchst persönlich.

“im Auftrag der Eigentümerin Ihrer Wohnung  sind wir verpflichtet jährlich eine bestimmte Summe an Wohnungsbesichtigungen in dem Gebäude durchzuführen. Da eine Wohnungsbesichtigung bei Ihnen schon länger her ist und Ihr Name immer mal wieder auf unseren Aktionslisten auftaucht, würde ich gerne Ihre Wohnung besichtigen und grundsätzlich mit Ihnen ein Gespräch über das bestehende partnerschaftliche Vertragsverhältnis führen. Da ich mich als Geschäftsführung zeitlich nur begrenzt in unserer Niederlassung Berlin aufhalte, bin ich hier auf Ihr terminliches Entgegenkommen angewiesen.

Gerne würde ich Sie am [Anm: Terminnennungen] besuchen oder am [Anm: Terminnennungen].  Wann würde es Ihnen an diesen Tagen am besten passen? Sollte es zeitlich nicht möglich sein, bitte ich Sie mir mehrere (6-8 Stück) Terminvorschläge werktags von Montag bis Donnerstag für den Monat Oktober oder November 2015  zu unterbreiten. Ich kann Ihnen dann kurzfristig einen der vorgeschlagenen Termin bestätigen.”

Ich recherchierte und fand ein Gerichtsurteil, dass es den Vermietenden zu zustehen sei, dass sie alle paar Jahre mal die Räumlichkeiten inspizieren. Ich hatte also keine andere Wahl, wollte jedoch betonen, dass ich das Gespräch lieber schriftlich führen würde wollen. Ich schrieb also an die Predac:

“vielen Dank für Ihre Email. Der Zugang zu den Räumlichkeiten wird Ihnen [Termin genannt] ermöglicht. Ist Ihnen der Termin recht? […] Bitte teilen Sie mir mit, mit wie vielen Personen Sie anwesend sein werden.

Sollten Sie ein Anliegen haben, so bitte ich Sie, mir das schriftlich zukommen zu lassen.

Ja, ich mag nicht der beste in meiner Deutschklasse gewesen sein, aber ich kann lesen und schreiben (ich weiß, auch oftmals mit Fehlern gespickt). Warum also dieses für mich doch sehr einschneidende Erlebnis eines Besuchs? Die Spekulationen schossen in alle Richtungen und so Einiges kam mir in den Sinn, was die Hausverwaltung von mir will. Doch nichts erschien mir einleutchtend, außer sie möchte mit mir über die Mieterhöhung sprechen. Doch auch hier würde ich das Gespräch lieber schriftlich führen.

Die Antwort von Frau B, Geschäftsführerin der Predac und nicht irgendwer, war:

“danke für den kurzfristigen Termin. Ich komme alleine und freue mich darauf, Sie kennen zu lernen.”

Ich hatte mich über die Frau B. informiert. Auf deren Firmenseite steht ihre Spezialität: “Frau B. hat besondere Erfahrung […], in der Sanierung und Entwicklung von leistungsgestörten Immobilien …”. ‘Leistungsgestört – ein schönes Wort. Der Begriff rührt aus dem Fachgebiet Rechtswissenschaft und meint beispielsweise die verzögerte Zahlung bei Verträgen. Mir war klar, dass die Frau gut ist – aber wie gut, sollte ich noch erleben!

Denn was jetzt kam, überraschte mich doch in hohem Maße. Sie betrachtete die Wohnung, was binnen von wenigen Minuten gelaufen war. Sie machte bereits erste Anmerkungen, dass sie mit mir sprechen will. Als hätte sie die Zeilen, in denen ich auf eine schriftliche Kommunikation bestand, nicht gelesen. Wieso dieser Drang nach einem Gespräch? Also nahm ich noch eine Person als Zeugen hinzu.

In meinem Zimmer angekommen, wurde es dann offenbar: “Schreiben Sie Ihren Friedrichshainblog hier?” Langsam dämmerte es mir. Sie wollte als Vermieterin – in meiner Wohnung – mit mir über meine Website reden… Und dann kam es: “Ja, ich will mich gern mal mit Ihnen unterhalten!”, worauf ich sagte, dass ich ja nicht reden will. Aber ich sagte: “Ich will mich ja nicht unterhalten!” – Meinte jedoch, ich will das schriftlich besprechen. Aber noch bevor ich den Zusatz hinter her schicken konnte, kam von Frau B.: “Ach sie wollen sich nicht unterhalten – mit Ihrem Vertragspartner!” Worauf ich entgegnete: ja dann, wenn ich vorher auch weiß worum es geht. Wie soll ich mich denn sonst auf ein Treffen vorbereiten? – was ich erneut kundtat.  Zudem verwies ich auf die schriftliche Art der Kommunikation, worauf sie aber nicht eingehen wollte. Immer wieder fiel “ich will mich mit meinem Vertragspartner unterhalten” und ich “würde mich wie ein Feind” benehmen.

In meinem Blog würde ich sie (also die Predac) “immer denunzieren” und sie hätte die Unterlagen gerade dabei und sie wolle ja nicht, “ähm, wie sagt man .. eine Klage gegen Sie einreichen wegen Beleidigung!” Wir wären ja Partner und man könne sich ja unterhalten und eine Lösung finden. Ich fragte mich, wo soll da eine Lösung sein? Soll ich jetzt nur noch schreiben, wie toll die Predac ist?

Die schriftliche Kommunikation würde zu viel Arbeit machen, so sagte sie. Aber dass sich die Geschäftsführerin sich zu einer Wohnungsbesichtigung begibt, was ja nicht gerade üblich ist, macht keine Arbeit!? Der gesamte Streitwert von Minderung und Mieterhöhung betrug nicht ein Mal 150 Euro im ersten Jahr. Ich denke deren Gehalt für den Aufwand dürfte höher sein. Und es gab schon etliche Emails, darin hätte man doch mal sagen können, worum es geht. Sie verglich die Beziehung zwischen Mietenden und der Hausverwaltung mit einer Liebesbeziehung. Dass dieser Vergleich hinkt, sah sie nicht ein.

Dann kam der Vorwurf Nummer zwei (Eins war, dass ich feindlich wäre): Sie möchten hier wohnen, aber sich nicht mit ihrem Vermieter sprechen. Seit zehn Jahren war das so und nie ein Problem, offenbar für alle Beteiligten. Nun ist es das plötzlich?

Ihre Erlaubnis die Wohnung zu betreten implizierte nur die Inspektion. Auf Nachfrage, ob sie das gemacht habe und sie bejahte, endete meines Erachtens die Erlaubnis. Aber sie blieb noch weitere zehn Minuten und begann mit: “Naja, dann müssen wir das über den Anwalt klären!” – Eine schriftliche Kommunikation wird gar nicht mehr in Erwägung gezogen – und bis heute rätsle ich daran.

Dann folgte der Satz, es gehe ja gar nicht um den Friedrichshainblog, sondern um das Mietverhältnis. Es sei gestört. Vielleicht wäre ich ja ein Querulant?! Ich würde in meinem Blog so negativ schreiben und ich hätte keinen Bock darüber zu reden, man solle einen Anwalt einschalten. Dabei habe ich nur geschrieben, dass ich einen Anwalt konsultiert habe –  wen soll ich denn sonst bei Rechtsbelangen befragen?

Warum ich nicht reden will, wurde ich erneut gefragt. Ich betonte, dass es sich dabei um meine Wohnung handele – meine Privatsphäre. Wenn ich weiß, was das Thema des Gesprächs ist, dann komme ich zu einem Termin zu der Hausverwaltung.

Und dann kam meine Frage, was ich denn Falsches gemacht hätte? Darauf blitzartig die Antwort, ich hätte sie (also die Hausverwaltung) beleidigt. Dabei verwies sie auf einen vermeintlichen Beitrag von mir auf Friedrichshainblog, wo es um deren Firmenpolitik ging. Sie hatte einen Ausdruck des Artikels dabei. Weil ich nicht vorbereitet war, Liebe Frau B., konnte ich Ihnen in diesem Augenblick auch nicht sagen, dass es sich bei diesem Satz (den ich lieber nicht zitiere) um einen Kommentar eines anderen Menschen handelte und nicht Teil meines Artikels war.

Sie sagte immer wieder, sie wolle, dass wir eine Lösung finden und dann: dass es doch ganz normal sei, dass wenn zwei sich streiten, “dass ein Dritter entscheide” und man habe ja eine Anwaltsflatrate. Gerade eben war doch noch das Gespräch die Lösung. Mir kam es vor, als wären unter dem Schein der Freundlichkeit versteckte Drohungen kommuniziert worden. Die Mietminderung wäre nicht gerechtfertigt. Sie würde Lösungen bevorzugen, hat aber keinen Lösungsvorschlag gemacht. Wie sollte der auch aussehen?

Dann ging es nur noch darum, man kläre das auf sachlicher Ebene und ich werte in meinem Blog. Ich wäre einfach nur “dagegen”. Plötzlich war es gar nicht mehr sinnvoll, den Klageweg zu gehen. Dann kamen wir schon etwas näher an des Pudels Kern, wie ich das sehe: “Wenn Sie unzufrieden sind, warum ziehen sie nicht aus?”

Schon wie ich dastehen würde, würde ich “Anti” sein und sie wolle mich doch nur kennenlernen. Warum ich so Anti sei?! Ob es mein naturell sei, dass ich so dagegen sei.

Sie mag keine Konfrontation, sagte sie und warf gleichzeitig den Spruch in den Raum: Aber sie könne mich auch mit Klagen zuwerfen.

Und es ging weiter: Ich hätte ja den Anwalt eingeschaltet. Wie gesagt, ich informiere mich in der Regel bei Leuten, die davon Ahnung haben. Wie viel Sinn hätte es denn, einen Bäcker zu fragen? Dann kam: Es müsste ja schon der Wahrheit entsprechen – glaubt sie, ich lüge?

Sie wären kooperativ und man kann über alles reden. Aber ich wäre ja abweisend. Sie könnte ja auch einen Blog machen und schreiben, dass ich so und so wäre. Dann ging sie und ich sollte einen Termin für ein Gespräch machen.

Nach dem Besuch sendete ich eine erneute Email. Sie möge mir doch bitte mitteilen, welche Artikel des Friedrichshainblogs denn als beleidigend empfunden werde, damit ich mir das ansehen kann. Ab es gab keine Antwort mehr.

Dafür flatterte inzwischen ein Schreiben der Anwälte der Predac ins Haus, man will mich wegen der Mieterhöhung verklagen. Diesen habe ich ignoriert und auch nie wieder etwas von dem Anwalt gehört. Allerdings war im Nachhinein das Verhältnis gestört, ich musste mir dann immerzu sorgen machen, wie lange ich noch wohnen könnte und bin jetzt endlich ausgezogen.

Ich fühlte mich dort immer wohl, aber nach dem Auftritt nicht mehr. Dabei frage ich mich, ob das überhaupt legal war, eine Wohnungsbesichtigung vorzutäuschen, um mir meine Meinung madig zu machen. Ob ich das als Pressfreiheit betrachten würde, fragte sie mich. Ich hätte damals gerne gesagt, es ist eine Meinungsfreiheit – aber ich war zu überrumpelt, wie bei der ganzen Geschichte.

Der Artikel entstand am selben Tag, 30.9.2015

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