Berlin in 20 Jahren | Utopie

Wie sieht das Leben in 20 Jahren in Berlin aus? Ein Hauch von Utopie.

Wir schreiben das Jahr 2039 und Berlin ist längst viel größer geworden und hat damit ein Ausmaß erreicht, wie noch nie zuvor. Einiges hat sich in den letzten Dekaden geändert: der Verkehr, das Einkaufen, die Unterhaltung – nur die Party ist im Prinzip gleich geblieben.

Tannenbaum

Der regierende Bürgermeister, der einem Linksbündnis vorsteht, verkündet, dass nun keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr in die Stadt fahren dürfen. Die Luft riecht nach einer Melange aus Blumen, Schweiß und heißem Teer. Kein Hauch von Abgasen durchdringt die Atemluft. Vor den Toren der Stadt gibt es riesige Parkplätze, die überwacht werden. Dort parkt man sein Auto und fährt mit einem autonomen E-Shuttle zur nächsten S-Bahnstation oder man läuft dahin.

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist kostenlos und auf den allermeisten Strecken fahren die Züge im Minutentakt in die Innenstadt. Dort ist es viel grüner geworden. Der Wegfall der Autos erlaubt es, den Menschen mehr Platz zu geben. Der Radverkehr dominiert die Innenstädte und es kommt regelmäßig zu Knochenbrüchen und Hautschürfungen. Meistens weil die E-Bikes beim Abbiegen, andere Fahrräder übersehen. Aber Tote gibt es kaum noch, die Geschwindigkeit des Verkehrs ist zu gering.

Die Polizei ist nicht so stark vertreten, denn die Hauptaufgabe – den Straßenverkehr zu regulieren – ist nicht mehr so nötig. Wenn Autos durch Berlin fahren, dann ist es die Polizei, der Rettungswagen oder die Feuerwehr. Sie fahren mit Elektrowagen und einem aufdringlichen Piepston, weil man sie sonst nicht hören würde. Auch die Aggression ist zurückgegangen, weil das Leben angenehmer geworden ist. Der Alkoholkonsum ist zurückgegangen, weil die Menschen mehr kiffen. Die Zahl der Gewalttaten ist seit Jahren stark rückläufig und wenn etwas derartiges passiert, ist es die Hauptmeldung in der Zeitung.

Der Lieferverkehr und die wenigen Robotertaxis, die durch die belebten Innenstädte fahren, sind langsam und ebenfalls mit E-Motor ausgestattet. Vor allem das Lastenrad hat sich als Beförderungsmittel für den Lieferverkehr herausgestellt, denn auf den S-Bahngleisen wird auch der Güterverkehr abgewickelt. An jedem Bahnhof gibt es automatische Entladungssysteme, die die Waren für die Supermärkte und Geschäfte auf solche Lastenräder laden. Zuweilen sind es noch kleine Lkws, die elektrisch angetrieben werden und selbstfahrend die Güter zustellen.

Die meisten Supermärkte haben kein Personal mehr, die wenigen Kunden werden von Kameras erfasst und eine künstliche Intelligenz vermerkt den Einkauf und belastet das Konto direkt. Doch das Supermarktsterben geht weiter, denn das Gros der Waren wird online gekauft und ein Lieferbot, ein Koffer auf vier Rädern, fährt die Waren zu den Leuten nach Hause. Eine Entwicklung, die schon Jahre zuvor ihren Anfang nahm. Alles wird online gekauft und neben Amazon (Affiliatelink) haben sich einige Anbieter durchgesetzt. Dieser Lieferbot meldet sich an und kann auf die Minute genau seine Ankunft vermelden, sodass man die Waren vor der Tür herausnehmen kann.

Zwar gibt es kaum noch Geschäfte in der Innenstadt, dafür umso mehr Kneipen und Restaurants. Treffpunkte für allerlei Vereine bilden sich heraus, denn alle Menschen verfügen über ein Grundeinkommen. Das Ehrenamt hat neue Höchststände erreicht, die meisten Menschen engagieren sich für etwas Soziales. Für Geld arbeitet man nur noch halbtags und so sind die Menschen ins Zentrum der Gesellschaft geraten.

Berlin ist weiterhin eine angesagte Partystadt und die vielen neuen Parks, da man keine Parkplätze mehr braucht, lockt es die Leute ins grüne Berlin. Der Radverkehr braucht nur ein Drittel der bisherigen Straßen. Der dichte Bewuchs des Grüns erlaubt es, dass die Partys auch mal lauter sein können. Das Plätschern der Brunnen wird aber von den Bässen der mitgebrachten Lautsprecher übertüncht.

Die Kinder spielen überall, denn es droht kaum eine Gefahr – schon gar nicht vom Verkehr. Nur auf den Strecken der BVG ist das Spielen nicht erlaubt. Einige Ecken sind virtuelle Zonen, in denen man sich gefahrlos dem VR-Spielen widmen kann.

Das Leben ist angenehmer, denn der Mensch steht im Zentrum – nicht mehr die Wirtschaft. Der Verkehrsstress ist dem Vogelzwitschern gewichen und das Grün sorgt auch für mehr Abkühlung in einer immer wärmer werdenden Welt.

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