Gedanken zur alternative Szene in der Rigaer Straße

Einige Gedanken darüber, warum die alternative Szene in Friedrichshain so unter Druck geraten ist.

Die alternative Szene in Friedrichshain-Kreuzberg gehört mit zum Lebensgefühl der Menschen hier. Sie existiert bereits seit Dekaden in der Rigaer Straße. Bis vor wenigen Jahren lebte man dort relativ ungestört. Doch dann kam die Immobilienfrage.

Klappern Rigaer Ecke Liebigstrasse Friedrichshain

Hat sich die alternative Szene im Nordkiez von Friedrichshain großartig gewandelt? Eigentlich nicht, so meine Beobachtung und Meinung. Was sich allerdings geändert hat, ist der Wert der Häuser, in der die Szene lebt. Nach der Wende interessierte sich niemand für diese Ecke. Ich wohnte selbst dort und obwohl auch damals schon die Polizei regelmäßig zu Besuch war, gab es weit weniger Auseinandersetzungen.

Die Abwesenheit von Kapital und das geringe Interesse der Immobilienwirtschaft waren in den 90er Jahren deutlich sichtbar. In der gesamten Straße standen so viele Autos, wie jetzt auf einer Blocklänge stehen. Die Mieten waren günstig und das Lebensgefühl frei. Doch die Zeiten haben sich geändert und das liegt vor allem an der Mietsteigerung. Das ist denn auch symptomatisch für die alternative Szene.

Denn mit den steigenden Immobilienpreisen stiegen auch die Begehrlichkeiten der Immobilienindustrie. Die Lage ist gut und das ist es, was zählt. Dass dort Leute drin wohnen, war ein Problem. Also begann man – nicht nur im Nordkiez – die Häuser zu modernisieren und dank der CDU-Politik, konnte man die gesamten Kosten auf die Mietenden überlegen. Es war doch Absicht, die Macht den Immobilienfirmen zu übergeben. Man übertrieb die Geschichten mit Mietnomaden und schon war die Öffentlichkeit überzeugt, dass die Mietenden Macht abgeben müssen.

Diese Partei wiederholt auch gebetsmühlenartig, dass sich in der Rigaer Straße ein rechtsfreier Raum gebildet hat. Dass die Leute hier teilweise wohnen wie sie wollen, dass sie streckenweise keine Mieten zahlen, dass sie illegale Kneipen betrieben, war der CDU wichtiger und schwerwiegender, als dass Nazis Linkenpolitikern nachstellen, ihre Autos abfackeln und sogar mit Morddrohungen durchkommen. Die Verbindungen zu einzelnen Polizeikräften ist auch keine so neue Meldung.

Doch die alternative Szene in Berlin, die vor allen anderen vor der Gentrifizierung warnte, wehrte sich gegen den steigenden Druck. Leider auch mit nicht-legitimen Mitteln, aber bisher erfolgreich. Dieser Druck machte sich auch innerhalb der Szene bemerkbar. Die Angst vor dem Ende der Existenz in dieser Form, verändert Menschen.

Was ich also damit sagen will ist: Der große Unterschied ist, dass die Immobilienpreise sich änderten und das Zusammenleben der Menschen in der Stadt zum Negativen veränderte.

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