Nur Sportförderung – und Musik, Kunst und Bildung?

Immer wieder gibt es im Bezirk Anträge für Sportvereine – aber was ist abseits der körperlichen Ertüchtigung?

Der Sport ist wichtig, hört man immer wieder und Sport ist gesund. Wer gesund ist, der kann arbeiten und etwas zur Gesellschaft beitragen. Wer gesund ist, ist produktiv! Also muss der Staat den Sport fördern und man vergibt viel Geld dafür – vor allem für Fußball. Ein Sport, der sich wie Domestizierung des Krieges anhört. Wörter wie Angriff und Verteidigung zeichnen sich ab. Es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das darauf basiert, dass man einen Gegner hat. Sehr gesellig und ein Platz für Emotionen. Das gibt es ja bei anderen Dingen nicht, keine Musik, kein Bild, kein Gedankengang der Welt kann so viel Emotionen auslösen, wie wenn elf Leute einem Ball hinter her rennen und einen Holzkasten mit Plastiknetz treffen. Außerdem verdient man damit Geld, man ist jemand, wenn man gut im Fußball ist.

Fussballfeld
Fussballfeld

Für Fußball werden Plätze bereitgestellt, wer will schon Bäume sehen. Für Fußball-Vereine gibt es Geld und Platz. Umwelt- oder Politikvereinen wird die Gemeinnützigkeit aberkannt. Wer Musik machen will, muss seine Nachbarn nerven oder auf der Straße sitzen. Nerven ist das richtige Wort, denn nach dem Sport will man seine Ruhe haben. Ach am besten gleich im Fernsehen genießen. Währenddessen sind die Ausgaben für Musik und Kunst eher gering. Solche Aktivitäten fördern ja nur das Denken und nicht so sehr den Körper und die Gesundheit – und damit fängt das geförderte Gedankenkonstrukt wieder von vorne an.

Weißt Du noch, wie schön das war, als die Fußball WM in Deutschland war. Gut, es war ein gekauftes Ereignis, dass sich hinter der freundlichen Fassade vor allem durch Korruption und Profitgier auszeichnete. Dann ist ja bald noch Olympia. Ja, der Sport ist wichtig. Aber die WM war doch toll oder, endlich durfte man wieder Deutschland-Fahnen schwenken, man durfte wieder stolz sein auf sein Land. Nicht wegen der Leute oder der Verfassung, nein wegen der elf Leute auf dem “Feld der Ehre”. Nein, nicht das Schlachtfeld. Man verdient ja kein Geld und Anerkennung, wenn man seinen Kopf benutzt.

Aber die WM war doch toll, oder? Es war doch auch das Jahr, in dem die NPD fast zwei Prozent zulegte?! Warum bist Du denn so gar nicht stolz auf Dein Land, wir sind doch vierfacher Weltmeister in einem Sport. Wir haben zu essen und das Spiel, was braucht der Mensch mehr? Das ist es, was die Kinder lernen müssen – nicht komische Musikinstrumente oder zu zeichnen oder zu malen. Sie müssen gut rennen können, denn bald kommt die Flut und die Hitze. Fliehen müssen dann wir. Ein Musikinstrument ist doch nur hinderlich, wenn man vor der Umweltkatastrophe weglaufen muss. Aber der Rasen darf höchstens 28 Millimeter hoch sein.

Ein Gedanke zu „Nur Sportförderung – und Musik, Kunst und Bildung?

  • 15. April 2019 um 20:31
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    Ui, das ist ja fast schon poetisch. Fußball-Kritik. Mutig! Find ich gut!

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